Die 5Rhythmen®

Gabrielle Roth, die Begründerin der 5Rhythmen® (USA) sagte: „The fastest way to still the mind is to move the body.“
(Der schnellste Weg, den Geist zu beruhigen ist, den Körper zu bewegen).

Die 5Rhythmen® werden weltweit von Tausenden von Menschen praktiziert. Ist es die Suche nach einer Möglichkeit, mit Stress, Konflikten, Ängsten und der Erschöpfung umzugehen, die für unseren Lebensstil oft so charakteristisch sind? Oder ist es die Hoffnung auf eine einfache Möglichkeit, den Geist zu beruhigen und das Herz zu öffnen?

Gabrielle Roth hat mit der „Wave“ eine tiefe und effektive Methode entwickelt, die positive Auswirkungen auf Körper, Geist und Psyche hat.
Der Bogen einer 5Rhythmen® Welle (Wave) ist organisch und kommt überall in der Natur vor. Mit dem Tod von Gabrielle Roth im Jahr 2012 (ein Jahr nach meiner abgeschlossenen Ausbildung) hat sich vieles verändert. Die 5Rhythmen® werden auf unterschiedlichste Art und Weise verstanden und weiter gegeben. Was ich im Folgenden schreibe, ist mein persönliches Verständnis der 5Rhythmen®und das, was ich mit meiner Vision von Souldance im Unterricht weitergeben möchte. Es ist die Essenz aus meiner bis heute 57 Jahren gelebten Bewegungspraxis, die sich dauernd wandelt und verändert. Im nachfolgenden Text beschreibe ich jeden der 5Rhythmen® im Detail – es gäbe noch viel viel mehr dazu zu sagen – doch Manches wirst du selber erfahren, wenn du die 5Rhythmen® allenfalls tanzen wirst.

Details zu den 5Rhythmen®:

  • Flowing

    Im Flowing erforschen wir entspannte fliessende Bewegungen. Bei kontinuierlichem Praktizieren kann sich diese nährende Energie in Form von Entspannung im Körper verankern, so dass sie im besten Fall auch in alltäglichen Stress-Situationen eher abrufbar werden kann. Der Körper erinnert sich in schwierigen Situationen wie Angstzuständen, Konflikten oder bei einem herausfordernden Gespräch daran, tief durchzuatmen, den Boden unter den Füssen zu spüren, den Körper zu entspannen und kann bestenfalls zurück zu geerdeter Gelassenheit finden. Flowing unterstützt uns, achtsam mit unserem Körper umzugehen. Wieviel Schlaf gönne ich mir? Wie ernähre ich mich?  Gönne ich mir nebst dem Arbeiten die notwendigen Pausen? Wie regeneriere ich mich? … usw. Ein achtsamer Umgang mit uns selber ist die Basis für einen achtsamen Umgang mit anderen, mit der Natur, und generell mit der Erde, unserem gemeinsamen erweiterten Körper.
    „Fluidität ist zentral für „flowing“, Einatmen ist der Katalysator.“ Gabrielle Roth

  • Staccato

    Staccato ist der Rhythmus der Klarheit. Das Erforschen von Klarheit im Körper unterstützt uns, den Zugang zu unserem Herzen zu finden, klar zu kommunizieren, die Worte auszusprechen, die wir schon lange sagen wollten, mit Mut ins Handeln zu kommen, entschlossen und mit ganzem Herzen für eine Sache einzustehen.

    Wir bewegen uns im „Beat“ der Musik, der uns ein gemeinsames Fundament legt. Das Pulsieren der Musik inspiriert, mit verschiedenen Tempos zu spielen. Den Körper entschlossen, kraftvoll und intuitiv im Rhythmus der Musik zu bewegen kann uns bei kontinuierlichem Praktizieren ermutigen, uns selber zu vertrauen, lang gehegte Pläne und Visionen umzusetzen.
    Staccato ist zielgerichtete, kraftvolle Energie, die in jedem Menschen vorhanden ist. Manchmal ist sie (noch) in uns verborgen – das Experimentieren mit dem Staccato-Tanz könnte sie aufwecken. Eigenverantwortliches Handeln braucht Mut. Einzustehen für das, was uns am Herzen liegt ist wesentlich, wenn wir uns für inneren und äusseren Frieden einsetzen wollen. Missstände zu sehen und darüber zu schweigen, nicht zu handeln, mutlos zuzusehen, wie Ungerechtigkeit oder gar Leid geschieht (Ausgrenzung, Rassismus, Klimakrise, Tierleid, Mobbing, Ausbeutung, Ignoranz … ) ist leider eine weit verbreitete Mentalität. Unsere Welt braucht friedvolle mutige Menschen, die sich aktiv für soziale Gerechtigkeit und Frieden einsetzen. Im Kleinen beginnt es, und wir haben täglich unzählige Möglichkeiten. Ein Lächeln, ein freundliches Wort, eine gute Tat kann Berge versetzen und macht nicht nur das empfangende Wesen glücklich…
    Mögen wir unser Bestes geben, in unseren Möglichkeiten aktiv für eine bessere Welt einzustehen.

    „Tue das Gute, das vor dir liegt, auch wenn es sich sehr klein anfühlt.“ Sharon Salzberg

     

  • Chaos

    Chaos – das Loslassen der Kontrolle. Alles was lebt ist in steter Veränderung. Wir wissen nicht, ob unsere geschmiedeten Pläne auch wirklich funktionieren werden – das Leben ist unberechenbar. Dieser Tatsache ins Auge zu sehen, kann schmerzhaft, jedoch auch sehr hilfreich sein, damit wir die Kostbarkeit des Augenblicks wahrnehmen. Der Mensch neigt dazu, Angenehmes festhalten zu wollen und Schwierigem aus dem Weg zu gehen. Das führt dazu, dass wir Dinge, Menschen, Erlebnisse in schön oder schrecklich, lieb oder böse, schwarz oder weiss einteilen. Die Dinge zu beurteilen, einzuteilen, zu fixieren sind im Grunde nur Versuche, die Kontrolle zu behalten. Aber schon ist alles wieder anders. Ausserdem kann das Bewerten, Beurteilen, Fixieren viel Leid verursachen. So schnell passiert es, dass einzelne Menschen, ganze Gruppen oder Völker als „die anderen“ dargestellt werden. Das kann gefährlich werden. Ausserdem kann es sein, dass wir uns selber fixieren: „Das kann ich nicht!“ „Ich bin halt so…“ „Das war bei uns schon immer so und bleibt so.“ Tausende von Gedanken beeinflussen unser Leben – die einen sind hilfreich, andere weniger. Die nicht hilfreichen Gedanken lassen wir besser wieder „durch die Hintertür raus“ und versuchen, ihnen nicht allzu viel Gewicht zu geben.
    Es kann wohltuend und erfrischend sein, in einem Chaostanz wie durch die Waschmaschine zu gehen, sich durchspülen zu lassen, so viel loszulassen, wie im Augenblick gerade möglich ist. Das ist für alle im Raum unterschiedlich. Chaos kann ganz sanft sein. Chaos kann unglaublich wild sein. Es ist heilsam, mit all den Glaubenssätze, fixen Bildern, festgefahrenen Meinungen, alten Verletzungen, mit der ganzen Freude und dem Übermut, mit inneren Blockaden, Familiengeschichten, mit Trauer, Schmerz, Glückseligkeit und allem, was einfach da ist zu tanzen, schütteln, sich „weichspülen“ zu lassen. Chaos kann den Kreislauf auf Hochtouren bringen, wir schwitzen und lockern jede Zelle – was für Körper und Geist eine erfrischende und belebende Wirkung hat.
    Ein Zitat von Pema Chödrön bringt es auf den Punkt:
    „Wenn die Dinge in deinem Leben aus den Fugen geraten, hast du das Gefühl, dass deine ganze Welt zusammenbricht. Aber in Wirklichkeit ist es deine feste Identität, die zerbröckelt. Und wie Chögyam Trungpa uns zu sagen pflegte, ist das ein Grund zum Feiern.“

  • Lyrical

    Lyrical steht für Verspieltheit, Spontaneität, Leichtigkeit, Weite und Gemeinschaft.
    Wir alle waren mal ein Kind und kennen sie, diese verspielte offene Präsenz und Hingabe an das, was uns faszinierte. Kinder können sich mühelos in totaler Aufmerksamkeit von einer kleinen Schnecke faszinieren lassen, offen und voller Neugierde. Kinder überlegen sich meistens nicht, ob sie jetzt vor lauter Freude jauchzen und hüpfen oder aus Traurigkeit gerade heraus weinen sollen – sie tun es einfach, authentisch und spontan. Wenn wir erwachsen werden, kann es passieren, dass diese unbeschwerte Spontaneität über die Jahre hinweg verloren geht. Gewisse Erfahrungen oder Bemerkungen anderer haben vielleicht gezeigt, dass es „gefährlich“ sein kann, sich echt zu zeigen….. wir könnten ausgelacht, verspottet, beurteilt werden. Mit einem interessierten wachen flexiblen Forschungsgeist durch die Welt zu gehen schafft jedoch die Basis, dass wir uns lebendig fühlen, dass wir in unserer Kraft sind, sich eine Weite in uns ausbreiten kann, so dass wir unseren spontanen intuitiven Impulsen vertrauen können, egal was andere über uns denken oder sagen.
    Im Lyrical – einem Tanz so leicht wie eine Feder können wir den Zugang zu innerer Weite und Kreativität finden. Egal wie alt wir sind: sich von der Magie der Natur, von den Kleinigkeiten des Alltag faszinieren zu lassen und uns einen kreativen Geist zu bewahren, das sollten wir pflegen und nie vergessen. Ein lyrical Tanz – allein oder in der Gemeinschaft beflügelt Körper und Seele und macht das Herz gross und weit, so dass es einfacher wird, alle unsere Freuden und Sorgen mit einer mitfühlenden Zärtlichkeit im Herzen tragen zu können. Ausserdem kann das Lyrical-Erlebnis in einer Gruppe erwachsener verspielter Menschen uns spüren lassen, dass wir auf dieser Lebensreise getragen und nicht alleine sind.

  • Stillness

    Die Welle endet im Rhythmus der Stille. Dort kommt alles, was vorher war in seiner Essenz zusammen. Stillness steht für Offenheit und weise Gelassenheit mit allem was sich zeigt, für wache Präsenz, inneren Frieden und Mitgefühl.
    Wie bewegt sich der Körper in Stille? Was passiert in uns, wenn wir uns erlauben, langsamer zu werden, uns zu entschleunigen?
    Im letzten Rhythmus erforschen wir die Einfachheit in der Bewegung, wach und präsent, mit stiller Achtsamkeit, stiller Aufmerksamkeit. Wir lassen uns vom Atem bewegen. Im besten Fall passiert es, dass wir voll und ganz eintauchen, wie in der Bewegung verschwinden können, so wie Zucker sich im Wasser auflöst. Es kann erleichternd sein, einen Moment unsere persönlichen Geschichten und vermeintlichen Wichtigkeiten in den Hintergrund sinken zu lassen und völlig in die Energie des gegenwärtigen Augenblicks eintauchen zu können. In der bewegten Stille kommt zum Ausdruck, dass wir mit allem verbunden sind. Wir alle erleben im andauernden Wandel die „zehntausend Freuden und zehntausend Sorgen“, wie es in den buddhistischen Lehren formuliert wird. Mit der ganzen Komplexität des Lebens in einem Stillness-Tanz präsent zu sein, einzutauchen in die Schlichtheit, in genau diesen Augenblick kann uns bewusst machen, wie kostbar und vergänglich alles ist. Diese schöne und zugleich auch traurige Erkenntnis kann uns aufwecken, damit wir dieses kostbare Leben auch wirklich leben und nicht verschwenden. Und sie kann den Boden zu einem zärtlichen, mitfühlenden Herzen bereiten. Die getanzte Stille unterstützt uns im Prozess, Mitgefühl für uns selber und füreinander zu entwickeln.
    Mögen wir uns selber und einander, allen Menschen, Tieren, Bäumen und Pflanzen mit Respekt, Freundlichkeit und Mitgefühl begegnen.

    „Du und ich, wir sind eins. Ich kann dir nicht weh tun, ohne mich zu verletzen. “   Mahatma Gandhi

  • Zitate von Gabrielle Roth

    „Es spielt keine Rolle, woher wir kommen, wo wir aufgewachsen sind, ob wir „tanzen können“ oder nicht. Bewegung ist Medizin. Egal ob wir uns plump oder anmutig fühlen, Bewegung ist heilsam. Wirkliches Lernen geschieht, wenn wir uns aufraffen und uns bewegen, denn der Körper kann nicht lügen. Er lässt uns sofort wissen, ob wir uns verschlossen oder offen fühlen, starr oder entspannt, hart oder weich.
    Es ist so einfach, unsere Balance zu verlieren, einseitig zu werden, zu sehr in unseren Köpfen zu sein, zu emotional, allzu bequem oder zu kontrolliert zu sein. Wir schleppen viele Sachen mit uns, und nicht nur in unseren Rucksäcken. Was machen wir mit all den verdrängten Dingen, den Kopfreisen, die uns zurückhalten und uns zu etwas machen, das wir gar nicht sind? Wir tanzen. Wir tanzen mit all den Dingen, die sich in unserem Innern abspielen und sind dabei in Verbindung mit andern Menschen, die dasselbe tun. Das ist Bewegung als spirituelle Tätigkeit, die uns mit dem „Grösseren Ganzen“, dem unvorhersehbaren allumfassenden Mysterium in Verbindung bringt.“

    Auszug aus dem Buch „Leben ist Bewegung“ von Gabrielle Roth:
    „Dies ist unsere größte Wunde: die vollständige Trennung des Geistes vom Körper. Sie führt zum Verlust der Seele. (Anmerkung:  „Seele“ ist ein Wort, das schwierig zu definieren ist. Ich verstehe den Begriff  hier als das Beseelte in einem Menschen – soul, to be soulful).
    Die Seele kann nur dort gegenwärtig sein, wo Körper und Geist eins sind, losgelöst vom Körper kann die Seele nicht sein, nicht atmen und sich nicht bewegen.
    Deine Eltern haben deinen Körper zur Welt gebracht. Er ist das Gefäß für deine Seele. Die Geburt der Seele musst du selbst vollbringen. Das zu tun ist ein Liebesdienst an dir selbst, doch wie wir wissen, ist Dienen nicht einfach. Wenn du dein wahres Selbst gebären willst, musst du tief in deinen Körper hinein horchen und auf das Heulen deiner Seele hören.
    Wer seine Seele wieder finden will, hat ein hartes Stück Arbeit vor sich. Es ist nicht damit getan, sich bei einem Workshop anzumelden oder einem Guru zu folgen oder sich einen Kristall zu kaufen. So viele Buddha-Statuen du auch in deiner Wohnung haben magst, sie nützen nichts, solange du nicht den Buddha in dir entdeckst.
    Wer auf der Suche nach „Erleuchtung“ die eigene Seele im Körper, im Denken oder in Ruhm eines anderen zu finden hofft, ist auf dem Holzweg. Wie leichtfertig geben wie oft unsere Kraft aus der Hand! Um geistig frei zu sein, braucht es Disziplin.
    Dies ist eine Herausforderung. Sie anzunehmen bedeutet, in die rätselhaften Tiefen deiner Seele hinab zu tauchen. Wenn du nicht von dir selbst fasziniert bist, wirst du auch niemanden anderen faszinieren, und ich habe noch nie jemanden getroffen, der nicht faszinierend sein wollte.
    Die Faszination, von der ich spreche, hat nichts mit Narzismus zu tun, sondern mit deiner lebendigen Beziehung zu dem göttlichen Mysterium in dir, das sich in deinem Körper offenbart. Dein Körper ist wie ein Gefäss für den Geist. Wird ihm der Geist entzogen, ist der Körper nicht mehr inspiriert.
    Weil der Geist dafür sorgt, dass alles in Bewegung bleibt, fällt der Körper ohne ihn in einen Zustand tiefer Trägheit. Gefühle geraten ins Stocken, ebenso Gedanken und Muskeln. Alles verstopft. In diesem Zustand fließt nichts mehr, und nichts bewegt sich mehr auf harmonische Weise. Der Körper fühlt sich vom Herzen abgetrennt, das Herz vom Verstand, und der Verstand vom Körper.
    Oft denken wir das eine, fühlen das andere und tun etwas Drittes. Das führt zu einem Leben in dauerndem Widerspruch. Kein Wunder, dass wir verwirrt sind und leiden. Unsere Seele ist ohne Zuhause, und wir können nicht einfach so tun, als wüssten wir das nicht. In der Seele liegt unsere Essenz, in der Trennung von ihr unsere tiefste Wunde. Bis wir sie geheilt und unsere Seele wieder regeneriert haben, werden uns unsere alltäglichen Schmerzen gross erscheinen und die großen Schmerzen unerträglich.
    Die Seele kann unsere Schmerzen lindern, denn sie vermag das Leiden in Weisheit zu verwandeln.
    Schmerz bleibt Schmerz, egal, wo er herkommt. Ob wir Missbrauch erlebt haben, eine Amputation oder einen Nervenzusammenbruch, ob wir einen Vater hatten, der uns verließ, oder eine Mutter, die blieb, oder ob wir mit einer Sucht zu tun hatten, die uns ganz in ihren Klauen hielt: nie geht es um den Schmerz an sich, sondern um das Verhältnis, das wir zu ihm entwickeln.
    Man kann sich derart an den Schmerz anklammern, dass man schließlich denkt, man sei der Schmerz, und zulässt, dass er das ganze Leben bestimmt. Man kann sich deswegen für etwas ganz Besonderes halten und glauben, dass man sich ein paar Bonuspunkte verdient hätte. Oder der Selbstwert ist so tief gesunken, dass man denkt, man hätte es eben nicht besser verdient. Das Problem liegt in der Anhaftung.
    Anhaftung ist Trägheit. Wie bei jeder Trägheit ist auch hier Bewegung die beste Medizin.“